Englische Fans haben sich mit großer Mehrheit gegen Homophobie im Fußball ausgesprochen. Bei einer Umfrage unter 2000 Anhängern gaben 93 Prozent der Befragten an, dass sie kein Problem damit hätten, würden sich Spieler der Premier League als homosexuell outen. Das ist das Ergebnis einer Online-Befragung der Universität der Grafschaft Staffordshire in Stoke-on-Trent. Sechs von zehn Befragten gaben zudem an, schwule Profispieler sollten ihre Homosexualität publik machen.
"Das Ergebnis ist überraschend und widerspricht unseren Erwartungen. Die Fans meinen, dass Homophobie eine Schande für den Fußball ist", sagte Professor Ellis Cashmore, der das Projekt wissenschaftlich begleitete.
Die Fans hätten sich laut Ellis für mehr Transparenz eingesetzt. "Viele Leute würden es begrüßen, wenn sich schwule Fußballer dazu bekennen würden." Bisher hatte sich in England nur Ex-Nationalspieler Justin Fashanu während seiner Karriere geoutet.
Queer Football Fanclubs würde dennoch jedem schwulen, aktuellen Profifussballer davon abraten, sich in näherer Zukunft zu outen - die Frage ist immer, wie repräsentativ die Umfrage sein kann. Es ist dabei egal, ob es sich dabei um politische, gesellschaftliche oder sportliche Umfragen handelt. Da es sich bei 2000 befragten Anhängern eindeutig um eine Minderheit unter den Zuschauern handelt, eine allgemeine Missbilligung der Fussballfans Diskriminierung von Schwulen und Lesben betreffend also in keiner Weise gewährleistet ist. Einer in der vergangenen Woche ebenfalls veröffentlichten Umfrage der Homo-Gruppe Stonewall zufolge gilt Fußball trotz der Toleranzbekundungen weiterhin als homophobster Sport in Großbritannien, noch weit vor Rugby!
Wir begrüßen allerdings ausdrücklich, dass neben dem Deutschen Fußball Bund unter Dr. Theo Zwanziger gerade die englische FA grossen Wert auf die Verbannung von Schwulenhass aus Fussballstadien legt. Zur Erinnerung: Vor einigen Jahren plante die FA eine Bewusstseinskampagne gegen Homophobie unter Fussballfans, dessen Kernstück ein sehenswerter Fernsehspot war. Die Kampagne wurde allerdings zurückgerufen, da viele Schwulenverbände, sowie einige homosexuelle SportlerInnen ausserhalb des Fussballs massiv Einwände gegenüber dem Spot geäussert hatten.
Im Allgemeinen bleibt unsere Aussage: Für Homophobie gilt dasselbe wie für Rassimus: erst wenn man Homosexuelle genauso wie ethnisch-kulturelle bzw. religiöse Minderheiten oder Gruppierungen als alltäglich empfindet, sind diese Themen endgültig aus der Welt. Es muss nicht die Frage gestellt werden, ob jemand homosexuell ist oder nicht, sondern warum es für andere ein Problem darstellt.
Dirk Brüllau


