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Tuesday, 22. December 2009

FARE- Kongress in Wien 12. bis 14. Dezember 2009 

Football against Equality- das war die Überschrift über das Programm zum 10. Geburtstag von FARE. Von Samstag bis  Montag feierten Fan-Organisationen und Offizielle den Erfolg der 1999 in Wien gegründeten Organisation Fans against Rassism in Europe. Dass es längst nicht mehr nur um den Rassismus in den Köpfen von Vereinsfunktionären, Fans und Spielern geht, wurde aus der Unterzeile im Programm deutlich: Challenging Racism and Homophobia across Europe  (Rassismus und Homophobie in ganz Europa herausfordern).Zwar hört man auch nach 10 Jahren des Kampfes gegen Rassenhass und Vorurteile gegen Anders-Farbige nach wie vor schlimme Worte in europäischen Stadien („Steh auf, du Neger!“(Originalzitat vom vergangenen Wochenende FCB – Hertha BSC, als ein Berliner Spieler am Boden lag) ist da fast  noch liebevoll, aber auch durch Aktionen der Queer Football Fanclubs (QFF) rückt Homophobie immer mehr in den Focus der Öffentlichkeit. So wundert es nicht, dass bei den Workshops, die am Sonntag im VIP- Bereich des „Franz-Horr-Stadions“, Heimat von Austria Wien, abgehalten wurden, auch die Frage thematisiert wurde, ob „Homophobie das letzte Tabu im  Fußball“ sei.Neben den Diskriminierungs- und Neonazi- Problemen in Osteuropa, aufgehängt an der UEFA EURO 2012, der Rassismus- Diskussion in Afrika, hautnah wegen dem World Cup 2010 in Südafrika, erfuhren noch der Umgang der Fans mit Diskriminierung und die Eingliederung ethnischer Minderheiten im Fußball, Aufmerksamkeit durch die Thematisierung in Diskussionsrunden.

Rapid siegt unter den Augen der Teilnehmer

Das straffe Programm der Tagung begann am Samstagnachmittag im Konferenzhotel Oberlaa an der Peripherie Wiens. Viele gemeinsame Weggefährten von FARE waren gekommen, in der Lounge herrschte freudige Wiedersehensstimmung. Ein  kurzes Briefing versammelte dort bereits schon die Leiter und Sprecher der 5 Workshops. Dann ging es bereits queer durch Wien zum Rapid-Stadion, wo das Höhepunkt arme Ligaspiel Rapid Wien gegen SV Ried gemeinschaftlich frierend, angesehen wurde. Danach ein legeres Buffet am Resselpark, bei dem sich bereits Gruppen zur lockeren Diskussion aber auch Spaß zusammenfanden.

Lunacek reißt mit

Bereits beim sonntäglichen Frühstück begann die inoffizielle Gruppenarbeit. Ein Plaudern, Abstecken von gemeinsamen   Zielen und Austausch von Meinungen erfüllte den Frühstücksraum, in dem inzwischen die meisten der knapp 80 Teilnehmer aus 30 Nationen saßen. Kurz darauf Übersiedeln in das nahe Austria- Stadion, wo bereits neben vidc- Direktor Walter Posch, FairPlay-Austria-Chef Kurt Wachter, EU- Parlamentarierin Ulrike Lunacek und UEFA- Manager Patrick Gasser das geballte technische Chaos auf die Zuhörer wartete.Bemerkenswert Lunaceks Rede über „Sports with fun, but without fear“. Die ehemalige Leistungsschwimmerin und bekennende Lesbe rief die Teilnehmer auf, nicht nachzulassen beim „Finger- in- die- Wunde- legen“. Die anschließende Plenarsitzung litt leider sehr unter den technischen Problemen einerseits und den etwas zu selbst beweihräuchernden Präsentationen. Der ebenso gelangweilte wie enttäuschte Schreiber dieser Zeilen zog es dann vor, bei Kaffee und österreichischem Gebäck, wesentlichere Fachgespräche im Vorraum zu führen. Nach einem stärkenden Lunch ging es dann in die Workshops. QFF war durch Ihren Pressesprecher, Dirk Brüllau, an dem Tabu-Workshop als Sprecher für den Deutschsprachigen Raum vertreten.

Der Workshop „Homophobia- Footballs last Taboo?!“

Leider waren- außer dem eloquenten Leiter Johann van der Ven (EGLSF), den vier Sprechern und dem Rapporteur nur fünf Interessierte der Einladung zum Workshop gefolgt. Nichtsdestotrotz waren  mit Ungarn, Slowenien, Italien, Frankreich, Spanien, den Niederlanden, England und Deutschland acht Nationen vertreten. Sehr bald wurde klar, dass die Voraussetzungen für eine Auseinandersetzung mit dem Thema Homophobie in allen Ländern sehr unterschiedlich sind. Während es in einigen Ländern überhaupt keine offene Homosexualität im Fußball gibt (Ungarn, Italien, Spanien, Slowenien), so gibt es in Frankreich mit Paris Foot Gay wenigstens eine wahrgenommene Organisation, in England seit einigen Jahren nahezu Stagnation (es sind derzeit andere Themen, die die Fans auf der Insel umtreiben). Einzig QFF erlebt nicht nur durch die Protegierung durch DFB- Präsident Dr. Theo Zwanziger ein sogenanntes „Fighting-Homophobia-Wonderland“. So wurden an Dirk Brüllau als deren Vertreter auch viele Bittgesuche um Unterstützung herangetragen.In einer abschließenden Plenarsitzung (diesmal technisch 1 a) stellten die Rapporteure die Ergebnisse der Workshops kurz vor. Leider zeigte es sich erneut, dass in einem 1 ½- Stunden Workshop viele Dinge nur angerissen werden können, jedoch nicht ausdiskutiert. Die verbleibende Zeit wurde von allen für weiterführende Gespräche genutzt.

Ehrenberger schaut durch die rosa Brille

Danach sollte es zur Geburtstagsfeier von FARE gehen. Wieder war Schauplatz das „Gerhard- Hanappi- Stadion“ von Rapid. In einer locker moderierten Runde sollten Offizielle und Sportler über Rassismus diskutieren. Dies war der unerfreuliche Höhepunkt der sonst sehr schönen Veranstaltung: In- für die meisten Gäste- unverständlichem, breiten Österreichisch, gaben zuerst die Offiziellen des österreichischen Fußballverbandes eine- meiner Meinung nach- erbärmliche Vorstellung von Ignoranz ab. Sie mündete in der Aussage des Vizepräsidenten Ehrenberger, der „in den letzten Jahren nie etwas über Rassismus in Wien gehört“ hatte. Spätestens nun verstanden auch die Deutschsprachigen Teilnehmer kein Wort mehr. Den Eklat mindern konnte weder die allzu Hoffähige Moderatorin noch der frühere Spieler, Paul Elliot, mit  konträren Meinungen.So richtig Stimmung mochte dann  bei dem abschließenden Abendessen und der Party nicht mehr aufkommen. Ob es an dieser Diskussionsrunde, dem anstrengenden Workshops oder der derzeitigen Situation von FARE lag, konnte am Abend nicht eruiert werden.

FARE- Wo geht es hin?

Licht ins Dunkel sollte der nächste Tag bringen: FARE wollte die neue Struktur für die kommenden 10 Jahre vorstellen und diskutieren. Spätestens hier wurde deutlich, dass auch FARE in einer Sackgasse angekommen zu sein scheint und vermutlich der unterstützenden Hilfe der Fans und ihrer Organisationen bedarf. Wie gut, das sich mit Football Supporters Europe (FSE) erst im Juli eine weitere starke Organisation gegründet hat, die von der UEFA unterstützt wird.Allerdings fragte man sich, weshalb nicht beide Organisationen zusammenfließen und so eine noch stärkere werden?! Letztendlich könnte dies den Druck auf die Offiziellen von Verbänden und Vereinen erhöhen. Blauäugige Aussagen, wie von Herrn „Realitätsfern“ Ehrenberger, könnten dann vielleicht einmal der Realität entsprechen. Sowohl im Bereich Rassismus als auch der geflissentlich vom ÖFB verschwiegenen Homophobie. 

Dirk Brüllau

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